Historie und Chronik

Vom Sportklub 21 zum TSV Goddelsheim

O Goddelsheim, 18.Okt. Am 15. Oktober fanden
sich im Gasthof Knipp einige Burschen des hiesigen Ortes
zusammen und gründeten einen S p o r t k l u b. Der Wunsch
vieler Junger Leute unseres Dorfes, sich sportlich betätigen
zu können, ist nunmehr erfüllt, weshalb die Gründung freudig
begrüßt wird. Wir wünschen dem neugegründeten Klub
ebenfalls gutes gedeihen.
(Meldung der Waldeckischen Landeszeilung vom 19. Oktober 1921)

Am 15, Oktober 1921 beschlossen 15 junge Manner in Goddelsheim die Gründung eines Sportvereins, der den Namen ,,Sportklub 1921 Goddelsheim“ erhielt.
Anwesend waren: Fritz Knipp, Fritz Mitze, Fritz Kaiser, Willi Volke, Willi Rohde I, Willi Rohde II, Christian Koster, Kurt Dennes, Willi Mitze, Karl Göge, August Knipp, Heinrich Knipp, Wilhelm Knipp, Karl Barbe und Willi Stracke.
Zum 1. Vorsitzenden wurde Fritz Knipp, zum Schriftführer Karl Göge und zum Kassierer Wilhelm Rohde gewählt. Damit gab es neben dem 1912 gegründeten Turnverein einen weiteren Verein, der sich für ,,korperliche Ertüchtigung“ einsetzen wollte.
Am 22. Oktober 1921 erfolgte die Aufnahme neuer Mitglieder: Fritz Kahlhöfer, W. Bonacker, Heinrich Hegel, Christian Schulze, Adolf Debes, Christian Wilke, Karl Kamm, Wilhelm Kaiser, Ludwig Dietz, Heinrich Stracke und Hermann Vesper.
Als ,,Zöglinge“ wurden aufgenommen: Fritz Emde, Ludwig Volke, Karl Stracke und Karl Degenhof.

In der Hauptversammlung am 18. Februar 1922 wurde die erste Satzung des neuen Vereins einstimmig angenommen und die Anleihe von 2.000 Mark zur Anschaffung von Geräten bewilligt. Zum Spielführer wurde am 18. März 1922 Fritz Kaiser gewählt und am 8. Mai 1922 fuhr die Mannschaft zum ersten Fußlballturnier nach Eimelrod. Hier entstand auch das erste Mannschaftsfoto.

 

Ebenfalls im Mai 1922 trat der Verein bereits dem ,,Westdeutschen Spielverband“ bei. Die erste Mannschaft spielte mit Beginn der Saison 1922/23 in der C-Klasse, Gruppe Waldeck, zusammen mit Stormbruch, Buchenberg, Korbach 3, Arolsen 2, Usseln und Rattlar.

 

Das Foto mit zahlreichen Vereinsmitgliedern entstand auf der Wiese hinter der Gaststatte Nord. Ein Freundschaltsspiel, das am selben Tage gegen Buchenberg ausgetragen wurde, konnten die Goddelsheimer mit 1:0 gewinnen.

Neben der neu ins Leben gerufenen Fullball-Jugendabteilung wird bald auch eine Leichtathletikgruppe gebildet. Trikots und Blusen konnten aber nur durch Spenden der Mitglieder finanziert werden.
Einen 1. Preis gewinnt die Staffelmannschaft des Sportklubs bereits am 27. Mai 1923 bei einem ,,Pllichtstaffellauf der Gruppe Waldeck“ von Thalitter nach Herzhausen.

 

Nicht nur das Vereinsleben, auch die gesamte wirtschaftliche und politische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte lässt sich den Protokollbüchern entnehmen.

Im Oktober 1921 beschloss man, Bittbriefe an den Geheimrat von Krüger und an den in Amerika wohnenden Karl Schneider zu schicken, um die noch recht schwache Kasse zu füllen.

Während zunächst die Mitglieder einen Monatsbeitrag von 5 Mark zahlen mussten, stiegen die Beitrage als Folge der stetigen Geldentwertung auf 150 Mark im Monat für Mitglieder und 50 Mark für Jugendliche. Das Eintrittsgeld für neu aufgenommene Mitglieder sollte ab 1923 500 Mark betragen. Das Eintrittsgeld für das vom Verein veranstaltete Tanzvergnügen mußte im Januar 1923 in Form von Naturalien entrichtet werden: „Ordentliche Mitglieder hatte 3 Pfund Roggen, jugendliche Mitglieder 2 Pfund Roggen zu geben.“ Im Januar 1924 wird ein neuer Vorstand gewählt:
Adolf Debes, 1. Vorsitzender, 
Karl Barbe, 2. Vorsitzender, Fritz Kaiser, Schriftführer, Wilhelm Volke, Kassierer, Fritz Kahlhöfer, Geräte- und Ballwart, Karl Mitze, Leichtathletik- und Jugendobmann.

Auch damals muss es schon einige „wilde“ Gesellen gegeben haben, denn der Schriftführer rügt im Protokoll vom Mai 1924 das unzeitgemäße Verhalten einiger Mitglieder auf dem letzten Wintervergnügen.“ Außerdem ergab der Abschlußbericht der Festkasse ein Defizit von 24 Mark.

In den folgenden Jahren wird häufiger vom Ausschluß einiger Mitglieder berichtet, die ihre Monatsbeiträge nicht bezahlt hatten. Wahrscheinlich waren sie in dieser schweren Zeit mit hoher Arbeitslosigkeit nicht in der Lage, die Beiträge aufzubringen. Schwierigkeiten und Ärger hatten die Verantwortlichen des Sportklubs wohl auch schon mit der Pflege und Instandhaltung des Sportplatzes auf dem Langen Driesch, der ihnen von der Gemeinde zugewiesen und zur Verfügung gestellt worden war. Auf einer Vereinsversammlung am 27. Februar 1927 wurde beschlossen, daß das „Überfahren des Sportplatzes bei Strafe verboten sei. Entsprechende Schilder sollen angebracht werden.“

Erste Fusionsgespräche mit dem Turnverein gab es im Januar 1928. In der folgenden gemeinsamen Versammlung am 11. Februar 1928 schlossen sich beide Vereine zum Turn- und Sportverein zusammen und wählten zum 1. Vorsitzenden Wilhelm Schäfer und zum Vertreter Christian Schulze.
All
erdings hielt diese Fusion nur bis zum 21. September 1929. Erster Vorsitzender nach der Trennung wurde – bis 1933 – Fritz Kahlhöfer. Ihm folgte Heinrich Huneck. Auch die politischen Veränderungen wirkten sich immer stärker auf das Vereinsleben aus. Im Mai-Protokoll von 1933 ist von „Fackelumzügen“ die Rede, im Juni mußte sich der 1. Vorsitzende „Vereinsführer“ nennen.
Danach scheint das Vereinsleben fast erloschen zu sein, da viele Jugendliche wahrscheinlich an Sportveranstaltungen der Hitlerjugend teilnahmen. Das Protokollbuch des „Sportklubs 1921“ endet mit Aufzeichnungen von einer außerordentlichen Generalversammlung am 13. Juni 1936, bei der nur noch 19 Mitglieder anwesend waren und der 1. Vorsitzende Heinrich Huneck sein Amt niederlegte.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde auch in Goddelsheim ein Neuanfang gemacht. 114 Mitglieder des Turnvereins und des Sportvereins stimmte am 25. Mai 1946 einem Zusammenschluß zum
„Turn- und Sportverein 1912/21 
Goddelsheim“ zu. 85 Mitglieder traten noch am selben Abend dem Verein bei. Adolf Debes wurde zum 1. Vorsitzenden und Otto Kister zum Stellvertreter gewählt. Weiterhin gehörten dem Vorstand Fritz Stede (Schriftführer), Fritz Brühmann (Kassenführer), Adolf Emde (Sportwart) und Dr. August Knoche (Turnwart) an.

1. Adolf Debes (geb. 1886)
2. Otto Kister (geb. 1886)
3. Fritz Brühmann (geb. 1908)
4. Fritz Stede (geb. 1920)
5. Adolf Emde (geb. 1916)
6. Hermann Maack (geb. 1914)
7. Fritz Weber (geb. 1895)
8. Heinrich Schröder (geb. 1900)
9. Karl Hesse (geb. 1895)
I0. Karl Emde (geb. 1906)
11 . Friedrich Störmer (geb. 1910)
12. Heinrich Dietrich (geb. 1908)
13. Christian Schulze (geb. 1902)
14. Ludwig Böhle (geb. 1894)
15. Heinrich Hartmann (geb. 1910)
16. Karl Greisler (geb. 1893)
17. Walter Adler (geb.1920, lmmighausen)
18. Heinz Helmschroth (geb. 1921)
19. Anton Schwertfechter (geb. 1915)
20. Kurt Kister (geb. 1921)
21. Otto Jung (geb. 1912)
22. Otto Kister (geb. 1913)
23. Kurt Erdmann (geb. 1921)

 

24. Hans Nolte (geb. 1916)
25. Kurt Kortmann (geb. 1918)
26. Wilhelm Brückmann (geb. 1903)
27. Walter Koch (geb. 1896)
28. Bernhard Kristall (geb. 1924)
29. Heinrich Barbe (geb. 1927)
30. Ernst von Eynern (geb. 1925)
31. Heinrich Lüdecke (geb. 1926)
32. Heinz Hegel (geb. 1926)
33. Karl Weber (geb. 1925)
34. Franz Rauschenbach
35. Karl Greisler (geb. 1930)
36. Heinrich Schröder (geb. 1929)
37. Wilhelm Knipp (geb. 1929)
38. Karl Klein (geb. 1904)
39. Fritz Stracke (geb. 1929)
40. Walter Schmidt (geb. 1928)
41. Willi Weber (geb. 1929)
42. Walter Gansel (geb. 1929)
43. Erich Landau (geb. 1927)
44. Fritz Schön (geb. 1927)
45. Walter Bangert (geb. 1927)
46. Karl Grebe (geb. 1925)

 

47. Willi Pfennig (geb. 1928)
48. Karl Heinz Oppermann (geb. 1927)
49. Willi Köster (geb. 1927)
50. Willi Schramme (geb. 1927)
51. Karl Wilhelmi (geb. 1896)
52. Otto Pohl (geb. 1875)
53. Georg Schuhmann (geb. 1905)
54. Erich Paetsch (geb. 1905)
55. Heinrich Huneck (geb. 1911)
56. August Göbel (geb. 1908)
57. Kurt Diekop (geb. 1921)
58. Benno Bochon (geb. 1924)
59. Heinz Schäfer (geb. 1929)
60. Willi Bäcker (geb. 1926)
61. Ludwig Böhle (geb. 1927)
62. Willi Kuhnhenne (geb. 1926)
63. Ernst Wilhelmi (geb. 1931)
64. Hans Schuhmann (geb. 1932)
65. Christian Köster (geb. 1930)
66. Heinrich Friedewald (geb. 1930)
67. Karl Böhmecke (geb. 1922)
68. Heinz Schreiber (geb. 1928)
69. Fritz Knipp (geb. 1922)
70. Willi Steuber (geb. 1931)
71. Sepp Horn (geb. 1927)
72. Ludwig Göge (geb. 1922)
73. Fritz Göbel (geb. 1928, lmmighausen)
74. Karl Oppermann (geb. 1928)
75. Fritz Göge (geb. 1931)
76. Heinz Schüttler (geb. 1928)
77. Willi Reips (geb. 1928)
78. Werner Henkelmann (geb. 1931)
79. Werner Böhle (geb. 1931)
80. Bruno Böhm (Dalwigksthal)

 

81. Willi Klose (Dalwigksthal)
82. Erich Riedel (Dalwigksthal)
83. Herbert Bullig (Münden)
84. Willi Röhle (geb. 1930)
85. Helmut Schüttler (geb. 1930)
86. Heinrich Volke (geb. 1930)
87. Willi Eierdanz (geb. 1929)
88. Karl Knoche (geb. 1931)
89. Heinrich Stracke (geb. 1931)
90. Walter Schreiber (geb. 1931)
91. Karl Prüß (geb. 1925)
92. Richard von Eynern (geb. 1922)
93. Horst Fuhrmann (geb. 1926)
94. Karl Debes (geb. 1928)
95. Otto Fisseler (geb. 1929)
96. Joachim Kirsten (geb. 1928)
97. Helmut Nagel (geb. 1929, lmmighausen)
98. Fritz Bangert (geb. 1932)
99. Adolf Müller (geb. 1931)
I00. Erich Stracke (geb. 1932)
101. Erwin Krüger [geb.1927)
102. Robert Heine
103. Fritz Huneck (geb. 1912)
104. Hans Gassner (geb. 1928)
105. Heinz Rohde (geb. 1920)
106. Karl Rohde (geb. 1902)
107. Fritz Kahlhöfer (geb. 1903)
108. Erich Stegmeier (geb. 1920)
109. Wilhelm Emde (geb. 1916)
110. Willi Vesper (geb. 1929)
111. Heinrich Wilhelmi (geb. 1909)
112. Helmut Klein (geb. 1928)
113. Erich Schnaare (geb. 1930)
114. Albert Klein (geb. 1919)

 

Die endgültige „Vereinsgenehmigung,“ die der Verein sofort beantragt hatte,
erfolgte am 20. und 24. Juli 1946.

Auseinandersetzungen im Verein führten schon 1948 zum Rücktritt des Vorstandes. In der Versammlung am 31. Juli 1948 wurde deshalb über die Trennung von Turn- und Sportverein abgestimmt. Von den 68 anwesenden Mitgliedern stimmten jedoch 63 für die Weiterführung.

Gewählt wurden: Dr. August Knoche, 1. Vorsitzender, Heinrich Müller (Maurermeister), 2. Vorsitzender, Paul Pfennig, Schriftführer und Friedrich Pfennig als Kassenwart. Dr. August Knoche übernahm bis 1951 den Vorsitz. Danach leitete Maurermeister Heinrich Müller 13 Jahre (bis 1964) lang den Turn- und Sportverein.

Neben dem Fußballspiel, dem Turnen und der Leichtathletik gab es zeitweise auch andere Sportarten in Goddelsheim. So beschloß man 1953 die Angliederung einer Schießabteilung, die zunächst „Gendarmerie-Hauptwachtmeister“ Fritz Schade leitete. Nach dessen Weggang (Herbst 1953) wurde sie von Karl Stracke als Schießwart und Heinrich Barbe (Stellvertreter) geführt. Eine kurze „Blütezeit“ hatte auch das Faustballspiel in Goddelsheim. Faustballobmann war Walter Pollmer (in der Generalversammlung vom 11. Januar 1958 gewählt).

Von 1964 bis 1966 war Karl-Heinz Hühner Vorsitzender. Seine Nachfolge trat Heinrich Volke an, der ebenfalls 13 Jahre (bis 1979) im Amt war und danach bis zu seinem Tod 1994 – neben Heinrich Müller den Ehrenvorsitz beim TSV innehatte. Heinrich Huneck führte danach 8 Jahre den Sportverein und von 1987 stand sein Bruder Ernst Huneck bis 2009 an der Spitze des TSV Goddelsheim.
Seit dem 27.02.2009 ist Andreas Schmidt Vorsitzender des TSV Goddelsheim.

Der Waldsportplatz auf dem ,,Langen Driesch“ stand den Fußballern nach der Vereinsgründung und noch einige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg zur Verfügung. Auch heute noch wird er als Ausweich- und Trainingsplatz genutzt.

,,Gepflegte“ Plätze mit kurzem Rasen, wie sie die Fußballer heute fast immer vorfinden, waren früher nur selten anzutreffen. Das folgende Bild zeigt eine Spielszene aus den 50er Jahren auf dem Waldsportplatz ,,Langer Driesch“, mit Karl Emde (Nr. 11) und Horst Kappel (Nr. 9) beim vorbildlichen Torschuß.

Im August 1946 wurde ein Antrag zur Errichtung eines Sportplatzes in der Lehmkuhle an die Gemeinde gestellt und dann in der Monatsversammlung vom 22. November 1947 beschlossen, ,,am 1. Dezember 1947 mit dem Bau des neuen Sportplatzes zu beginnen.“ ,,Die Leitung und Aufsicht wurde dem Sportkameraden und Baumeister Heinrich Muller übergeben“, wie Schriftfiihrer August Gobel protokolliert hatte.

Von der Gemeinde gab es keine finanziellen Mittel zum Bau des Sportplatzes. Der Neubau mußte also vollstandig in Eigenleistung durchgeführt werden. Fur die Sonntagsarbeit sollte eine Genehmigung (16. Oktober 1948) eingeholt werden. Die Vollendung des Sportplatzes wurde sparer (8. Januar 1949) dann doch der Gemeinde übertragen, da entsprechende Baumaschinen – wie sie heute üblich sind – überhaupt nicht zur Verfügung standen und die mühsame „Handarbeit“ in Eigenleistung nicht zu schaffen war.

1967 wird der Neubau des Sportlerheimes abgeschlossen, der auch zum größten Teil in Eigenleistung der Goddelsheimer Vereine erfolgte. Den Fußballern bot es nach dem Training und den Spielen erstmals hervorragende Umkleide- und Duschmöglichkeiten. Die Errichtung einer Flutlichtanlage brachte in den folgenden Jahren eine weitere Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten.

Umfangreiche Baumaßnahmen erfolgten in den folgenden Jahren unter der Leitung des amtierenden Vorstandes, der seit 1987 in dieser Zusammensetzung besteht. Die vollständige Sanierung des Sportplatzes in der Lehmkuhle konnte 1990 abgeschlossen werden. Allein etwa 100.000 DM umfaßte der Anteil, den die Vereinsmitglieder in Eigenleistung bei dieser umfangreichen Maßnahme erbrachten.

Neues "Clubheim"

1993 begann der TSV mit dem Neubau des Clubheims, der notwendig geworden war, weil auch die Schließung des Vereinslokals „Scherf“ und des Gasthauses „Zur Wasche“ beschlossen war. Der Sportkegelabteilung stand daher keine Trainings- und Wettkampfbahn mehr in Goddelsheim zur Verfügung.